Bot. Garten Papatia

Botanischer Garten von Papatia

Ein Besuch des "Jardin Botanique" in Papatia, etwa 30 km südlich von Natitingou in der Provinz Atakora gelegen, lohnt sich nicht nur für Botaniker und absolute Pflanzenfreunde. Auch der interessierte Laie kommt bei einer fachkundlich begleiteten Führung durch das Gelände voll auf seine Kosten.
Der Weg führt vorbei an den einzelnen Campements (Siedlungen) des Ortes Papatia durch die für diese Region typische parkähnliche Savannenlandschaft, geprägt durch herausragende Einzelbäume wie den Baobab (Affenbrotbaum, Adansonia digitata). Im eigentlichen Garten, einem als "speziell geschützt" ausgewiesenes Terrain von etwa 5,5 ha Größe, wird der Besucher von roten Tafeln auf den Wegen entlang geleitet. Es empfiehlt sich, einen mit dem Garten vertrauten Führer zur Seite zu haben. Dieser weiß nicht nur die Besonderheiten dieser Region zu beschreiben, sondern wird Ihnen auch einiges über die Verwendung der Gehölze in der traditionellen Heilkunde zu erzählen wissen.

Um den Besuch abzurunden werfen Sie doch noch einen Blick in die zum Garten gehörende "Pharmazie". Dort werden pflanzliche Produkte gegen allerlei Beschwerden angeboten, selbst gegen Liebeskummer ist ein Kraut gewachsen. Probieren sollte Sie unbedingt auch den würzigen dunklen Honig des Botanischen Gartens.
Wer sich nun aber einen Botanischen Garten vorstellt wie die bei uns streng gepflegten und beschnittenen Sammlungen jeder Arten von Pflanzen, der wird sicherlich enttäuscht sein beim Anblick des zu erwartenden Wildwuchses. Hier geht es vor allem darum, natürlich vorkommende Pflanzen zu schützen und wieder zu vermehren. Zudem soll das traditionell überlieferte Heilwissen nicht in Vergessenheit geraten und auch noch für künftige Generationen zugänglich gemacht werden.
Mittlerweile gibt es etliche Botanische Gärten in Benin, der "Jardin Botanique de Papatia" gehörte bei seiner Gründung 2001 jedoch zu einem der ersten seiner Art.

Wegbeschreibung

Direkt an der Asphaltstraße von Djougou kommend findet sich ca. 30 km vor Natitingou der Ort Papatia. Auf der linken Straßenseite weist eine gut erkennbare Tafel (Foto) auf den "Jardin Botanique de Papatia" hin. Hier biegen Sie rechts in einen kleinen Weg ein und folgen der Trasse bis zu den ersten Häusern. Gern wird Sie jemand der ansässigen Familie Saydou bei Ihrem Rundgang begleiten und Ihnen alle Fragen beantworten.

Idee

Die Idee des Botanischen Gartens entstand im Jahr 1999 während von der Universität Frankfurt in der Region Natitingou durchgeführten ethnobotanischen Arbeiten. Zwei in der Region bereits existierende (ethno)botanische Gärten (in Yarikou und Kouba), deren beider Ziele der Schutz bedrohter Arten, die Bewahrung traditionellen Wissens und die Information der interessierten Bevölkerung sind, lieferten die Inspiration.

Der Botanische Garten von Papatia liegt in unmittelbarer Nähe mehrerer Fulbe-Gehöfte und basiert auf dem traditionellen Heilpflanzenwissen der Ethnie der Fulbe. Dank einer effizienten Zusammenarbeit von Universitäten, Nicht-Regierungsorganisationen und lokaler Bevölkerung konnte der Garten nach nur einem halben Jahr Vorlaufzeit am 23. November 2001 im Beisein aller traditionellen und modernen Autoritäten mit einem großen Fest offiziell eröffnet werden.

Lage des Gartens

Der Botanische Garten liegt im Norden der Republik Benin, in der Atakoraregion, 33 km südlich von Natitingou. Über die Nationalstraße 3 ist er gut erreichbar. Vom Infozentrum aus führt ein angenehmer, ca. 20-minutiger Spaziergang* zum Gartengelände, das Sie am besten mit einem Guide erkunden. Ein beschilderter Lehrpfad führt durch die verschiedenen ökologischen Zonen des Gartens und lädt Sie ein, die ganze natürliche Artenvielfalt der Region zu entdecken.

(* seit 2002 ist das Gartengelände auch über eine einfache Autopiste zu erreichen, um allen interessierten Personen einen bequemen Besuch zu ermöglichen.)

Ziele und Perspektiven

Das Projekt verfolgt folgende Ziele :

Schutz der bedrohten Arten, einschließlich der Möglichkeit, seltene oder schon verschwundene Arten wieder auszuwildern.
Schaffung von Schulungsmöglichkeiten, um in der Bevölkerung die Weitergabe des traditionellen Heilpflanzenwissens an die junge Generation zu fördern.
Wiederbelebung traditioneller Heilpflanzenkenntnisse
Schutz der natürlichen Ressourcen durch nachhaltige Produktion der in der traditionellen Medizin benötigten Pflanzenrohstoffe.
Dokumentation der Vegetationsentwicklung in dem geschützten Gelände.
Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten für die Bevölkerung.
Eine durch einen neugebohrten Brunnen bewässerte Baumschule zur Vermehrung bedrohter Arten wurde bereits eröffnet, außerdem ein Infozentrum sowie eine Apotheke, in der traditionelle Medizin verkauft wird. 2002 wurden außerdem die ersten Bienenstöcke im Garten aufgestellt.
Wissenschaftlich begleitet wird der Garten von Botanikern der Universität Abomey-Calavi (Cotonou), die mittels Dauerflächen dokumentieren, wie sich die Vegetation unter Ausschluß menschlicher Einwirkung in den kommenden Jahren entwickelt.

Das Gelände setzt sich zusammen aus einer teilweise geschützten Außenzone (Pufferzone, ca. 9 ha) und einer von einem 10 m breiten Brandschutzstreifen und einer Akazienhecke umgebenen, vollkommen geschützten inne-ren Zone ( ca. 5 ha). In dieser Kernzone, in der Holzeinschlag, Beweidung, Jagd und das Legen von Buschfeuern verboten sind, kann die Natur sich ungestört entwickeln. Bisher wurden in Puffer- und Kernzone 103 verschiedene Gehölzarten gefunden, weitere werden sicherlich folgen. Fast alle werden in der traditionellen Medizin verwendet.

Ein etwa einen Kilometer langer Lehrpfad erlaubt dem Besucher, die ganze Vielfalt des Gartens zu entdecken. Der Spaziergang führt durch die verschiedenen Bodenzonen (Latent, Sand, Fels, Feuchtzone) und entlang eines temporären Bachlaufes bis hinunter zu einem üppigen, artenreichen Galeriewald. Entlang des Weges tragen die Bäume und Sträucher Tafeln mit ihrem wissenschaftlichen sowie dem Fulfulde- und Bariba-Namen). Die krautigen Arten, die nur in und kurz nach der Regenzeit im Gelände zu sehen sind, können als Herbarbelege im Infozentrum betrachtet werden.

2002 wurde ca. ein Hektar des in nur 200 m Entfernung vom übrigen Garten gelegenen Galeriewaldes ebenfalls zur Schutzzone erklärt. Die Biodiversität solcher gewässerbegleitender Formationen ist besonders hoch: Über sechzig Gehölzarten konnten hier gefunden werden, davon dreißig, die auf dem übrigen Gartengelände nicht vorkommen.

Damit der Botanische Garten seinen zahlreichen Aufgaben gerecht werden kann, müssen folgende Arbeiten zu seinem Unterhalt regelmäßig durchgeführt werden:

Freihalten des Brandschutzstreifens
regelmäßige Pflege des Lehrpfades
vorbeugende Feuer in der Pufferzone (um Feuer in der Kernzone zu verhindern)
Ersetzen eventuell beschädigter Tafeln
Die Durchführung dieser Arbeiten obliegt, ebenso wie Entscheidungen über Management oder Ausweitung des Gartens, einem lokalen Fulbe-Komitee, der Walde jan-goobe von Papatia, die zur Fulbe-NGO POTAL MEN ("Unsere Union") in Natitingou gehört.

Die traditionelle Medizin

In ganz Westafrika machen weite Teile der Bevölkerung noch mehr oder weniger regelmäßig von den Methoden der traditionellen Medizin Gebrauch. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Kosten für moderne Medikamente wird auf diese vorwiegend in schweren Fällen zurückgegriffen.
Trotz der Bedeutung der traditionellen Methoden vor allem für häufige und weit verbreitete Krankheiten zeigt sich aber, daß die alten Kenntnisse, die bislang von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden, in jüngerer Zeit in Vergessenheit zu geraten drohen. Dies hat seine Ursache zum einen in einer zunehmenden Modernisierung des täglichen Lebens, die dazu führt, daß jüngere Generationen sich kaum noch für Traditionen interessieren. Zum anderen sind viele in der traditionellen Heilkunde verwendeten Pflanzen immer schwieriger zu finden. Aufgrund steigender Bevölkerungszahlen werden zunehmend größere Flächen als Felder und Weiden beansprucht. Die hieraus resultierende Übernutzung und Degradierung geht einher mit einem merklichen Rückgang der Artenvielfalt. Natürlich trägt aber auch die medizinische Verwendung dazu bei, daß vor allem stark genutzte Arten selten werden.


Beispiel für eine wichtige traditionelle Heilpflanze:

Medizinische Eigenschaften von Bridella ferruginea (nachweislich auf stofflichen Zusammenhängen beruhend):

Wurzeln und Zweige: antibakteriell.
Wurzeln: Hautentzündungen.
Rinde: Störungen des Verdauungstraktes, Harnwegserkrankungen, Gonokokken-Infektionen, Diabetes, Durchfall, Ruhr, Karies, Hauterkrankungen:
Rinde und Blätter: Durchfall und Ruhr, Karies, Blaseninfektionen.

Beteiligte Instutitionen

NRO Potal Men
Herr Bio Djega, BP 285; Natitingou, Benin
Tel.:00229-821258 Fax:00229-822501
e-mail: potalmen@yahoo.fr

Walde Jangoobe de Papatia
(Alphabetisierungskomitee), M. Gnanando Saidou, Papatia, Sinaissire

ASA-Programm, InWent GmbH
Postfach 3509, 10727 Berlin, RFA
Tel.: 0049-30-25482-0 Fax: 0049-30-25482 359
e-mail: ASA@cdg.de; Internet: http://www.cdg.de

Verein Pro Benin e.V.
Herr Emmanuel Zannou, BP 96, Dassa-Zoume
Tel.:00229-530141

J.W.G.-Universität Frankfurt
Julia Krohmer; Botanisches Institut
Siesmayerstraße 70, 60054 Frankfurt
Tel.: 0049-69-79824753, Fax: 0049-69-79824702
e-mail: krohmer@em.uni-frankfurt.de

Universität Abomey-Cälavi (wissenschaftl. Begleitung)
Prof. Dr. Brice Sinsin, Faculte des Sciences Agronomiques
BP526, 01 Cotonou, Benin
Tel.: 00229-360126, Fax 00229-303084
e-mail: bsinsin@syfed.bj.refer.org

Liebe Besucher,

wer den Garten besucht und sich von der Wichtigkeit dieser Anlage für die Bevölkerung überzeugt hat, kann gerne finanziell zum Erhalt und der Pflege des Projektes beitragen.