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Pressestimmen und andere Stimmen über uns...

Pressestimmen und andere Stimmen über uns, VOODOO, oder Geistheilung

Was zeichnet den Menschen aus? Seine Kleidung? Woher er kommt? Oder das, woran er glaubt, was er liebt und worauf er hofft? Wir haben mit 20 Berlinern geredet und es wurden 20 ganz unterschiedliche Gespräche, mal persönlich, mal lustig, mal banal. Ganz so, wie Menschen eben sind. ...
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Ein Blick auf die Afrikakarte, auf der Benin zwischen den großen Ländern Nigeria, Niger und dem Meer ganz klein erscheint, lässt kaum erahnen, wie vielfältig dieses tropische Land ist. Während vom Meer eine feuchte Brise weht, kommt der trockene Konterpart von der Wüste im Norden her entgegen. ...
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Artikel aus VICE

VICE

Ein Beitrag von Daniel Antonius auf der Website der VICE Deutschland GmbH

Voodoo ist eine Religion, die bei uns Europäern mit allerlei Klischees behaftet ist. Ihre Mystifizierung verdankt sie einerseits den stark naturverbundenen Ritualen, die praktiziert werden und andererseits einem Mangel an Dokumentation, da das Wissen der Orakel und Priester nur „von Mund zu Ohr“ weitergegeben wird. In Benin, einem Staat im Süden Afrikas [Korrektur von B&B Westafrikaspezialist: im Westen Afrikas], ist Voodoo seit Langem eine anerkannte Religion und die Gegend im Süden des Landes gilt auch als die Geburtsstätte dieser Religion, zumindest wenn es nach dem rechtmäßigen Erben geht. In einem kleinen Büro in Berlin-Tempelhof arbeitet Prinz Bokpe, der mit vollem Namen Prinz Alain-Maurice Kodjo Dah Bokpe von Allada heißt. Mit 19 Jahren kam er nach Ostdeutschland, um hier zu studieren. Später, zurück in seinem Heimatland, folgte er dem Ruf seines Schicksals und nahm das Amt des Voodoo-Prinzen an. Er selbst ist nun offizieller Repräsentant seiner Religion und seines Lands und hat uns in seiner Wahlheimat Tempelhof empfangen.

VICE: Herr Prinz Bokpe, vielen Dank für den Empfang. Können Sie uns erklären, was Voodoo ist?

Prinz Alain-Maurice Kodjo Dah Bokpe von Allada: Die Menschen reden immer nur von ihren Rechten. Aber die Pflichten interessieren sie gar nicht. Ich glaube, Voodoo ist der Weg, unsere Verantwortung in die Hand zu nehmen, über uns selbst, über unsere Mitmenschen, die Welt und die Natur. Das ist der wahre Voodoo!

Und Sie repräsentieren diesen Glauben hier?
Ich fühle mich als der wahre Repräsentant dieser Kultur und der Tradition des Voodoos.

Sie wurden zum Prinzen Ihres Volkes gekrönt. Wie ist das abgelaufen?
Wir glauben an die Reinkarnation und die Weisen des Dorfes wussten schon im Voraus genau, wer gekommen war. Meine Stellung wusste man also schon vorher, bevor ich zur Welt kam. Solche Dinge sind bei uns gang und gäbe, wie das Orakel. Es wussten also alle von mir und meiner Aufgabe. Auch mir wurde meine Bestimmung bald klar. Nur habe ich zuerst geschwiegen, ich wollte erst meinen Weg gehen und mein Studium machen, bis ich eines Tages vor unserem regierenden König stand und er wissen wollte, ob ich meine Verantwortung nun übernehme.
Wenn ich in Benin studiert hätte, hätte ich meinen Posten vielleicht viel früher eingenommen, ich war aber weg, nicht greifbar. Als ich aber wieder ab und zu in Benin aufgetaucht bin, kamen die Gerüchte wieder hoch, was ich wohl dort mache, ob ich bleibe oder nicht. Also habe ich mein Schicksal angenommen.

Wollten Sie ihr Schicksal zuerst gar nicht annehmen?
Es ist eine sehr große Verantwortung und der Mensch ist nunmal träge … Von '94 bis '97 war es ein Hin und Her und es gab viele Diskussionen, aber letztendlich wurde ich gekrönt und offiziell ins Amt gehoben. Seitdem bin ich voll im Einsatz.

Darf man denn in Ihrem Fall „regieren“ sagen?
Nein, ich würde sagen „lenken“ und „leiten“, nicht „regieren“. Es geht nicht darum, der Politik in die Quere zu kommen, es interessiert mich nicht, was die jetzt macht. Wir versuchen auf einem geistlichen Weg, das Wesentliche zu tun.

Aber wie leitet man ein Volk, das so weit weg ist?
Da setze ich meine Managementtechniken ein, die ich hier gelernt habe! Die Moderne in das Alte hinein. Wir haben Handys, Internet, überhaupt sind meine Leute und Mitarbeiter überall. Ich kann direkt eine Kamera einschalten und eine Zeremonie erleben und einfach diktieren, was zu sagen ist. Ich muss aber nicht immer dabei sein, manchmal reicht auch ein Bericht, den ich dann beurteile. Wenn etwas während dem Ritual zu sagen ist, kann das auch über den Lautsprecher des Telefons passieren und jeder kann zuhören.

Sind das Ihre Hauptaufgaben?
Die Beratungsfunktion ist das Wesentliche, gerade bei Zusammenkünften der Orakel oder den Ritualen. Man muss sich von oben leiten lassen und dann weitergeben! Aber nicht von der unguten Seite.

Also ist Berlin ihre Zentrale?
Kann man so sagen, aber die eigentliche Zentrale ist nicht irgendein Ort, sondern sie ist in meinem Inneren. Egal wo ich bin, ich kann arbeiten, es ist eine Transmission. Aber ja, ich arbeite hauptsächlich von hier aus. Auch weil ich gute Mitarbeiter hier habe.

Gibt es eine besondere Zeremonie, die man nicht von der Ferne steuern kann?
Der 10. Januar ist offizieller Feiertag in Benin, also der Tag, an dem Voodoo vom Staat als Religion anerkannt wurde. Es wurde darum gekämpft, einen Feiertag zu bekommen, wie Weihnachten zum Beispiel und es gibt eine Art Tag der offenen Tür. Man kann dann in jeden Tempel gehen, in meinen Tempel übrigens auch. Dieser wichtige Feiertag wird auch mit einem Tieropfer gefeiert.

Und wie stehen Sie selbst zu den Tieropfern oder rituellen Schlachtungen?
Bevor man ein Tier opfert, müssen Regeln eingehalten werden. Es kann nicht einfach eine Tötung vollzogen werden. Blut hat nun mal eine Bedeutung, aber ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, denn das würde zu weit führen. Das ist in eine geheime Lehre, die ich nicht an die Öffentlichkeit bringen will.

Dann eine andere Frage. Gibt es auch verschiedene Gottheiten im Glauben des Voodoo?
Das sind eher sind spezielle „Kräfte“, die für bestimmte Wirkungen angerufen werden. Im modernen Sprachgebrauch könnte man Spezialisten sagen.

Richten Sie manchmal Rituale aus für diese Spezialisten?
Das ist meine Pflicht und das ist auch zwingend notwendig. Es gibt für alle Bereiche dieser Spezialisten spezielle Kräfte, die spezielle Dinge bewirken.

Wie läuft die Kommunikation mit einem Spezialisten ab?
Es kann sein, dass ein Mensch bei einer Zeremonie in Trance fällt, und wenn sie in diesem Moment eine gewisse Reinheit inne haben, können gewisse Kräfte Besitz von ihnen ergreifen, um dann gewisse Dinge vermitteln zu können. Der Mensch wird in diesem Moment zu einem Medium, damit sich der Spezialist uns mitteilen kann.

Hatten sie schon einmal persönlichen Kontakt zu einem Medium?
Ich werde über dieses Thema schweigen, das führt nur zu Verwirrungen.

Okay, aber kann man Voodoo auch hier bei uns ausüben?
Eingeschränkt. Aber die wichtigste Regel des Voodoo ist es, die Gesetze des Landes, in dem man lebt, zu befolgen. Benin bietet die Rahmenbedingungen für viele Dinge, zum Beispiel für eine Tieropferung, die Deutschland nicht so gerne gesehen wird. Aber auch die Natur ist hier dafür nicht so geeignet. In Benin sind die Umstände dafür gegeben.

Bei diesen Zeremonien werden auch oft Rum und Tabak geopfert.
Ja, das stimmt, ich selbst habe große Schwierigkeiten damit. Tabak wird öfter für das Schlechte verwendet, und deshalb ist es keine gerechte Opfergabe. Das Gleiche gilt für Rum: Wenn man ihn als Opfergabe darbietet und der Spezialist mag keinen Rum, kann das Böse ausgehen. Im Endeffekt ist entscheidend, was man wem opfert.

Zum Originalbericht: http://www.vice.com/de/read/der-prinz-von-tempelhof

Beitrag vom Radio Sender "France Inter"

Radio "France Inter"

Der Radiobeitrag vom 11.01.2011 als mp3 (in Französisch)

Bericht aus der Zeitschrift PM

PM Fragen & Antworten vom Januar 2011 berichtet:

Wo ist Voodoo Staatsreligion?

UNHEIMLICH, fremd und doch faszinierend: Die meisten von uns können sich eine Welt, die bestimmt ist von Hexerei und Geisterglauben, nur schwer vorstellen. Doch in vielen Ländern ist das Leben mit Geistern und auferstandenen Toten Alltag. Vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Haiti gibt der Voodoo-Kult Millionen Gläubigen Halt; in Haiti und im westafrikanischen Benin ist er sogar offiziell als Religion anerkannt. Das bedeutet, dass diese Staaten sich ausdrücklich zu diesem kulturell-religiösen Erbe bekennen und die damit verbundenen Riten fördern. Das gilt besonders für Benin, wo ein wichtiges Voodoo-Fest als nationaler Feiertag gilt (siehe Kasten). Hintergrund ist die Sonderstellung, die Benin in der Welt des Voodoo einnimmt: In dem kleinen, bitterarmen Land mit kommunistischer Vergangenheit hat der archaische Kult seinen Ursprung, Rund zwei Drittel der Bevölkerung Benins praktizieren die jahrtausendealten Traditionen der animistischen Glaubensrichtung des Voodoo.

Beim Voodoo liegt die ganze Macht in den Händen der Priester: Sie verfügen über das geheime Wissen, wie man die guten und schlechten Kräfte, die in allen Dingen schlummern, zum Leben erwecken kann. Ein guter Zauber bringt Gesundheit, Glück und Wohlstand, ein schlechter Zauber dagegen wirkt fatal. Die dunkle Seite des Voodoo, dem auch Menschenopfer nachgesagt werden: Die Religion gibt ihren Anhängern nicht nur Kraft, sondern hält sie auch - mit der Drohung böser Verwünschungen – in Angst und Schrecken. Übrigens ist Voodoo nicht gleich Voodoo: Da die Traditionen ausschließlich mündlich überliefert sind, hat sich der Kult stets den Lebensbedingungen der Menschen angepasst. Voodoo hat deshalb auch viele Namen, wie zum Beispiel Candomble´ in Brasilien oder Santeria auf Kuba.

DAS VOODOO – FEST VON BENIN

Seit Ende der 1990er – Jahre findet immer am 10. Januar im ganzen Land ein rauschendes Voodoo-Fest statt. Das Zentrum der Feierlichkeiten ist Ouidah, eine Stadt an der Atlantikküste, die als eigentlicher Geburtsort des Voodoo-Kults gilt. Das Fest ist ein nationaler Feiertag, der Tausende Voodoo - Anhänger aus aller Welt nach Benin lockt. Für sie ist der Tag so wichtig wie Weihnachten für uns. Besucher haben die seltene Gelegenheit, mit ranghohem Voodoo– Priestern in direkten Kontakt zu treten. Tausende hoffen auf diesem Wege, ihre Krankheiten oder Geldsorgen loszuwerden.

PM Fragen & Antworten – Januar 2011

Artikel aus der ZITTY Berlin

ZITTY Berlin

Zitty Berlin schrieb in seiner Ausgage vom 02.12-18.12.2010 - Ein Interview von Herrn Lenz Koppelstätter mit Prinz Dah Bokpe v. Allada.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Was zeichnet den Menschen aus? Seine Kleidung? Woher er kommt? Oder das, woran er glaubt, was er liebt und worauf er hofft? Wir haben mit 20 Berlinern geredet und es wurden 20 ganz unterschiedliche Gespräche, mal persönlich, mal lustig, mal banal. Ganz so, wie Menschen eben sind.

Seine königliche Hoheit Maurice Prinz Bokpe von Allada, Voodoo – Puppen, schwarze Magie, geköpfte Hühner - Voodoo, das gibt es doch nicht wirklich, oder?

Doch. Aber Voodoo ist keine Hexerei. Voodoo ist Glaube.

Was bedeutet Voodoo tatsächlich?

Das Wort kommt aus der Fon-Sprache, die im Süden meiner Heimat Benin gesprochen wird. „Voodoo“ bedeutet: Lehne dich zurück, hole aus der Natur die Kräfte zur Erhebung deiner Seele. Es geht darum, sich als Mensch mit Gott zu verbinden – unter Nutzung der Naturkräfte. Es geht um das Streben nach Reinheit, die wahre Farbe des Voodoo ist: weiß.

Voodoo ist also eine monotheistische Religion?

Eindeutig. Aber es gibt nun mal Menschen, die gute Dinge nutzen, um Böses zu tun. Aus Gewinnstreben oder warum auch immer. Deshalb gibt es Voodoo-Puppen und solche Dinge. Die Menschen in Benin haben mit der Zeit Voodoo und Hexerei vermischt.

Haben Menschen Angst vor Ihnen, wenn Sie erzählen, dass Sie Voodoo-Priester sind?

Nein, sie zeigen Interesse. Sie fühlen, dass sie keine Angst haben müssen.

Aber Sie können jemanden verfluchen?

Jeder kann jemanden verfluchen. Manchmal braucht es dazu nur ein Wort. Aber überlegen sie gut, ob sie einen Fluch aussprechen. Jeder Fluch kommt zurück.

Sie verfluchen mich nicht, versprochen?

Warum sollte ich das machen? Das wäre nicht gut. Ich will Gutes tun. Dieses Leben ist nur einen Reise, wir lernen uns zu verbessern. Sich nur an diesem Leben orientieren, das ist zu kurzfristig gedacht, ich will in Jahrtausenden denken.

Sind Sie mit dem Bösen, der Hexerei konfrontiert worden? Hat Sie mal jemand verflucht?

Wo es Licht gibt, gibt es Schatten. Das lässt sich nicht vermeiden. Ich begegne ständig diesem Schatten. Aber das Licht ist stärker. Wichtig ist: keine Angst zu haben. Sie darf nicht sein. Sie ist Schwäche. Sie ist verhängnisvoll. Suchen Sie das Gute, selbst im Hexer!

Ein Orakel hat Ihnen prophezeit, dass sie eines Tages ihr Volk regieren werden. Wann war das?

Bei jedem ersten Neumond nach der Geburt eines Kindes wird in meiner Heimat einen Zeremonie veranstaltet, bei der die Weißen orakeln, wer ins Leben gekommen ist. Das ist wie eine Impfung. Ich habe lange gebraucht bis ich diese Rolle akzeptiert habe -und es fällt mir heute noch schwer. Ich habe meine ganze Jugend in Deutschland verbracht, in Benin als Prinz aufzutreten, das ist ein großer Kontrast.

Praktizieren Sie Ihren Glauben in Berlin?

Was ich mache, bleibt ein Geheimnis. Ich kann nicht über Rituale reden. Solche Dinge offenbare ich nur vorbereiteten Menschen.

Sie organisieren auch Voodoo-Reisen in den Benin. Was geschieht dort?

Die Reisenden dürfen an Zeremonien teilnehmen. Ein kleiner Einblick. Es heißt immer: Voodoo ist Blut, Blut, Blut. Da werden Tiere getötet. Dort aber erfahren die Reisenden, welche Rolle Blut wirklich spielt. Sie können in Tempel gehen, um zu verstehen, welche Verehrung dem Blut eines Tieres zukommt.

Wie wird ein Tier im Voodoo-Zeremoniell getötet?

Bei uns wird einem Huhn zuerst Wasser gegeben, Wasser bedeutet Leben, wir bitten das Tier um Entschuldigung, dass wir es töten müssen. Und wenn wir merken, dass es noch nicht bereit ist zu sterben, dann nehmen wir ein anderes. Wir machen das aus Respekt vor dem Leben

Bericht aus der TAZ Berlin

TAZ Berlin über S.K.H. Prinz Bokpe v. Allada

24./25./26. Dezember 2008

Der Voodooprinz

Prinz Bokpe von Allada betreibt ein Reisebüro, ist Verkehrsingenieur und Dah- „demütiger Hauptdiener eines Pharao“. Die Voodoo-Spiritualität ist Teil seiner afrikanischen Kultur.

Prinz Bokpe von Allada sitzt in seinem Büro im Tempelhofer Industriegebiet. Von zwei Seiten flankieren Hauptverkehrsstraßen das Haus. Im Zimmer des Prinzen ist von der unwirtlichen Umgebung nichts zu spüren. Ruhig ist es hier. Geschmackvoll eingerichtet auch. Die weißen Möbel betonen die afrikanischen Skulpturen, die er aufgestellt hat. „Ich liebe Weiß. Das verheißt Klarheit“, sagt der Prinz.

Vor fast 30 Jahren ist er aus dem Benin nach Ostberlin gekommen, um zu studieren. Verkehrsingenieur ist der Würdenträger, Mann einer Ostberlinerin und Vater zweier Töchter dazu.

1996 allerdings veränderte sich sein Leben. Dem Spross einer königlichen Familie wurde in jenem Jahr der Titel eines „Dah“ verliehen. Die Übersetzung in „Prinz“ trifft seinen Rang nicht wirklich. Mit der Berufung zum „Dah“ wird anerkannt, dass Bokpe von Allada nicht nur ein hoher Würdenträger ist, dessen Einfluss sich auf ein Reich, ein geografisches Gebiet, sondern auch auf ein spirituelles Wissensgebiet. „Am ehesten kann man meine Stellung mit dem demütigen Hauptdiener eines Pharao vergleichen“, sagt er. Die waren Repräsentanten von Gott, aber selbst keine Götter. „Man betet mich nicht an, aber man respektiert meinen Rat.“ Er ist ein pharaonischer Hauptdiener mit Spitzbart im schwarzen Anzug. Für Fotos allerdings kleidet er sich traditionell.

Das Königreich, dem Prinz Bokpe von Allada entstammt, heißt Alladahonou und liegt im Süden des Benin. Drei Millionen Menschen gehören zu seinem Volk. „Ich bin einer der Wissenden unserer Kultur“, erklärt er seine Stellung. Teil dieser Kultur ist Voodoo. Die Voodoo- Spirituallität entstand vor 700 Jahren in seinem Land. König Adjahouto, der Urahn Bokpe von Alladas, „laufte Voodoo“, erzählt der Prinz. Damals lautete Voodoo noch: „wo bo du“. Er schreibt die Worte auf einen Zettel. „Lehne dich zurück und hole aus der Natur die notwendigen Kräfte zur Erhebung deiner Seele. Arbeite daran, Gott nah zu kommen“, übersetzt er. Um „Voodoo“, das von Afrika mit den Sklaven nach Haiti, nach Kuba kam, rankt sich viel Halbwissen mit geköpften Hühnern, schwarzer Magie, Trommelrhythmus und Zauber. Einer wie der Prinz kann darüber nur den Kopf schütteln. „Das sind negative magische Praktiken. Wenn die westlichen Medien nur das herauspicken, dann ist das unzureichend“, sagt er. Für ihn ist Voodoo in erster Instanz einfach „Liebe“. „Die Liebe muss ich in mir finden, bevor ich sie verbreiten kann. Die Liebe muss ich mir selbst erarbeiten.“

Als Bokpe von Allada in den Rang eines Dah gehoben wurde, hätte er ablehnen können. Oberstes Gebot seiner Kultur sei, dass der freie Wille des Menschen niemals unterworfen werde. „Missbrauch von Macht richtet sich gegen einen selbst“. Umgekehrt allerdings entsteht Disharmonie, wenn jemand den göttlichen Willen missachtet. Die Disharmonie muss durch Opfer, Zeremonien und Rituale wieder in Gleichklang gebracht werden.

Die Beurteilung dessen, was göttlicher Wille ist, bereitet allerdings selbst im Gespräch mit Bokpe von Allada einige Schwierigkeiten. Wie er aus göttlichem Willen ein Dah geworden ist, so ist seiner Ansicht nach auch ein Sklave aufgrund der göttlichen Vorsehnung in diesen niederen Rang geraten. Beides ist Schicksal. Was aber, wenn der Sklave gegen sein Schicksal rebelliert und sich auf seinen eigenen freien Willen, der nicht unterworfen werden darf, beruft? „Wenn er durch den freien Willen die göttliche Realität nicht annimmt, gibt es Disharmonie“, sagt der Prinz. Und wie weiter? Voodoo bietet zwei Auswege. „Hilf mit, mein Schicksal anzunehmen“, lautet der eine. „Hilf mir, da rauszukommen“, der andere. Wie meistens im Leben muss also auch in seiner Kultur um Lösungen gerungen werden. „Faulheit schafft keine Offenbarung“, sagt der Prinz. Es sei wichtig, zu erkennen, wo man seinen Platz hat.

Der Platz des Prinzen ist in Berlin. Teilweise zumindest. Hier wird er als Generalbevollmächtigter für Europa- Angelegenheiten des Königs von Allada und als internationaler Exekutivsekretär der Diplomatenakademie Afrikas für diplomatische Vermittlungen zwischen den Kontinenten gebraucht. Zudem hat der Prinz in Berlin dein Reisebüro. Er organisiert Touren in den Benin. Seine Autorität, sagt er, mache es möglich, dass die Touristen dabei echten Voodoo-Zeremonien bewohnen können, nicht bloßen Touristen-Spektakeln.

Weil es ihn vor 30 Jahren in die DDR verschlug, er aber dennoch zum Dah berufen wurde, versteht er seine Aufgabe darin, als Mittler zwischen der westlichen Kultur und seiner eigenen zu handeln. Denn der Prinz kann drei politische Systeme vergleichen: „Ich bin froh, dass ich weiß, was Feudalismus, Kommunismus und Demokratie bedeuten.“

Träger von Geheimnissen

Zu seinen Vermittlungsaufgaben gehört auch, Worte für Voodoo zu finden. Das ist nicht leicht. Denn gleichzeitig muss er seine Kultur hüten. Als Träger der Geheimnisse, die ihm seine Vorfahren hinterlassen haben, muss er ständig abwägen „wo er was wie weit offenbaren kann“. Über die Zeremonien, an denen er teilnimmt, spricht er nicht. „Gott ist eine unfassbare Energie und Wesenheit, die wir niemals begreifen können“, sagt er.

Zur Anschauung seiner Gedanken holt er eine Kalebasse mit Deckel. „Solange der Deckel zu ist, wissen wir nicht, was drin ist“. So muss man die Gottsuche, die Suche nach Antwort auf das Unerklärlichen verstehen. Wer Glück hat, dem öffnet sich der Deckel der Kalebasse ein wenig. „Was der Mensch erlebt, ist Realität. Das Unerklärliche wird er auch erfahren“, sagt der Prinz.

In seiner Kultur spricht man über das Unerklärliche nur mit spirituell Höhergestellten. Ob es dafür magischer Wege bedarf und welche das seien, hinge, sagt er, vom Entwicklungsgrad des Handelnden ab. Trance muss man sic dabei als Methode jener vorstellen, die im Erkenntnisprozess weit fortgeschritten sind. „Jemand, der in Trance fällt, ist rein, ist auserwählt. Durch ihn spricht Gott.“ Die Frage, ob er magische Erfahrungen hatte, ob er Trance erlebt hat, beantwortet er nicht. „Darf ich schweigen?“, fragt er. Wer soll es verbieten?

Von Waltraud Schwab

Taz 24./25./26. Dezember 2008

Lo'Nam

Heft 009 vom November 2005

Lassen Sie sich verzaubern vom Voodoo in Benin

Ein Blick auf die Afrikakarte, auf der Benin zwischen den großen Ländern Nigeria, Niger und dem Meer ganz klein erscheint, lässt kaum erahnen, wie vielfältig dieses tropische Land ist. Während vom Meer eine feuchte Brise weht, kommt der trockene Konterpart von der Wüste im Norden her entgegen.

Gleich der meisten afrikanischen Länder ist auch Benin Heimat für viele verschiedene Ethnien, die willkürlich auf europäischen Reißbrettern zu einer Nation zusammengefasst wurden. So verteilen sich die Yoruba, eine der etwa 60 Volksgruppen, auf Benin und Nigeria. Die größte Gruppe ist die der Fon (28 Prozent) gefolgt von den Yoruba (12 Prozent) im Süden. Beiden gemeinsam ist die Zugehörigkeit zum Voodoo-Kult, als dessen Wiege Benin bezeichnet wird. Von hier aus wurde der Voodoo mit den Millionen von Sklaven nach Haiti, Kuba, Brasilien, Jamaika und Amerika exportiert, wo er noch heute praktiziert wird. Die im Norden lebenden Bariba sind für ihre Reiter und ihre alljährlichen Reiterfeste berühmt, während sich die Somba wiederum mit ihren geschickt gebauten Somba- Burgen, den Tata-Sombas, einen Namen gemacht haben. Diese interessante Bauweise, die man in Natitingou bewundern kann, diente zum Schutz vor wilden Tieren und Sklavenjägern.

Die großen Städte Benins sind das bunte Cotonou und Porto-Novo im Süden. Cotonou entstand 1930 mit dem Namen Ku-Tonu unter der Herrschaft des Königs Ghezo. Auf Fon bedeutet Ko-Tonu „Lagune des Todes" oder „Mündung des Todesflusses". Das einstige Fischerdorf wurde zum Umschlagplatz für Überseehandel der Könige von Dahome und ist jetzt Regierungssitz. Dabei ist die offizielle Hauptstadt des kleinen Landes das 32 Kilometer entfernt gelegene Porto-Novo. Diese Küstenstadt wurde Ende des 17. Jahrhunderts unter dem Namen Hogbonou durch den König Teagbanlin gegründet und diente als Hauptstadt des Adjasreiches. Im Jahre 1752 gab der Portugiese Eucharistus de Campos der Stadt ihren jetzigen Namen, übersetzt: das neue Porto. Der Hafen von Porto-Novo wurde sehr bald zu einem der größten Sklavenhandelsplätze am Golf von Guinea. Viele Stadtteile bergen noch Spuren der herrschaftlichen Vergangenheit einer königlichen Stadt.

Einer der zentralen Orte in Benin ist der Ort Ouidah, nicht nur wichtig für die Geschichte Benins, sondern ganz Afrikas. 1727 wurde der Ort von den Amazonen - die im übrigen auch von Benin nach Südamerika „exportiert wurden" - des Königs Agadja von Abomey erobert. Damals und in der Folgezeit war Ouidah eine wichtige Niederlassung für den Handel zwischen Europa und dem Königreich Abomey. Der Ort wurde beherrscht von Portugiesen, Holländern, Dänen, Engländern und schließlich Franzosen. Im 18. Jahrhundert wurden von hier aus Zehntausende Sklaven in alle Welt verschifft, wovon heute noch die Ruine der Comptoire und die Markierungen der Sklavenhandelsplätze zeugen. Die Sklaven nahmen mit, was ihnen niemand nehmen konnte: ihren Glauben. Noch heute sind aus Benin stammende religiöse Kulte in Brasilien und in der Karibik zu finden. Ouidah ist seit jeher ein Zentrum des Voodoo-Kultes. Hier findet auch seit 1993 alljährlich am 10. Januar das große Voodoo-Festival statt, bei der sich die große Welt des Voodoos trifft. Für den neugierigen Touristen ist es denn die beste Gelegenheit, die Festlichkeiten des Voodoos hautnah zu erleben und die großen Persönlichkeiten zu sehen.

Übersät mit Palästen und Königreichen mit aktiven, zum Teil sehr einflussreichen Königen, ist Benin kulturell insbesondere mit dem Voodoo berühmt, Für den Europäer interessant oder reizvoll, ist hier zu sehen, wie die Magie des Voodoos ganz alltäglich und allgegenwärtig ist. Es gibt Regenmacher und Regenverhinderer, in deren Bann nicht nur Anhänger des Kultes gezogen sind. So hat der Botschafter der Vereinigten Staaten anlässlich eines Kurzbesuchs des damaligen Vize-Präsidenten Al Gore 1994 einen Regenverhinderer beauftragt, sicherzustellen, dass die Gartenparty nicht ins Wasser fällt. Der Berliner Reisedienstleister B&B Westafrikaspezialist bietet sogar Rituale an, an denen man selber teilnehmen kann. Prinz Bokpe von Allada, einem kleinen aber historisch schwergewichtigen Königreich Benins, verspricht als Eigentümer und Geschäftsleiter des Reisedienstleisters, dass die Begegnung mit dem Voodoo Ihr Leben verändern wird. Neue Lebenskraft und einen neuen Lebenspfad hätten seine bisherigen Gäste in seinem Heimatland gefunden. Diese Erfahrung, so Bokpe, sollten alle gemacht haben.

Dilek Mameni

Lo'Nam